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Es gibt eine Beobachtung, die ich so oft gemacht habe, dass ich ihr heute einen eigenen Blogartikel widme. Außerdem ist es ein ganz zentraler Punkt in der Kommunikation mit unseren Kindern. Vor allem in meinen Achtsamkeitstrainings für Eltern kommen wir regelmäßig zu dieser Frage. Sie sorgt jedesmal wieder für Erstaunen und AHA-Momente. Lies in diesem Artikel, weshalb die Frage „WARUM hast du das getan?“ eine Sackgasse ist. Mehr noch, sie öffnet eine Kluft zwischen dir und deinem Kind.

 

„Warum?“ Stets benutzen wir die fünf Buchstaben, um den Grund für ein Verhalten oder einen Umstand zu erfragen. Und damit meinen wir es nur gut. Oft nehmen wir uns sogar extra die Zeit und setzen uns mit unseren Kindern in Ruhe hin, um die Ursache für ein Verhalten zu klären. Ein Verhalten, das unser Kind verunsichert oder uns selbst aufgeregt hat und deshalb verändert werden soll.

Das ist grundsätzlich eine sehr gute Idee! Schließlich bringt das Forschen nach Ursachen Klarheit und hilft uns, andere Verhaltensstrategien zu implementieren. Aber müssen wir die Ursache eines Verhaltens immer kennen? Und wenn ja: Wie bekommen wir diese heraus gefiltert?

 

Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!

 

Wer kennt nicht dieses Lied aus der Sesamstraße, das uns noch so vertraut in den Ohren klingt. Hier haben wir es gelernt – Fragen macht schlau. Und die Frage nach dem „Warum“ treibt ja auch viele Kleinkinder sehr stark um. Um Zusammenhänge zu erfassen ist diese Frage auch prima geeignet. Sie eignet sich aber überhaupt nicht dafür, Ursachen im Verhalten zu erforschen. Warum-Fragen werden als Angriff und als anstrengend empfunden.

Warum wir Fragen stellen

 

Fragen sind unentbehrliche, immer wieder anwendbare Werkzeuge, wenn der Mensch versucht zu verstehen, warum er tut, was er tut, wie die Dinge funktionieren und zusammenhängen. Die vielen Fragen, die sich uns Menschen stellen, fordern uns auf, uns in ein großes Unbekanntes hineinzuwagen, um zu lernen, zu wachsen und zu erkennen, dass wir nicht fertig sind. Nach dem verstorbenen Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti sind Fragen ein Mittel des „Eindringens“, der Zerlegung, vor der man sich durch Schweigen irgendwann schützen muss.

 

Fragen sind für Eltern von zentraler Bedeutung

 

Fragen sind auch für uns Eltern von zentraler Bedeutung: Wir müssen die Balance halten zwischen Aktivieren und Mäßigen, zwischen wissen wollen, worum es genau geht, was da läuft, dahinter- steckt, stört, blockiert … und penetrantem Nachbohren. Wir dürfen weder Verhörcharakter noch Widerstand erzeugen, damit wir unser Kind in das innere Wachstum begleiten können. Und hierfür sind Fragen zentral. Aber nicht alle Fragen sind immer geeignet.

Warum das „warum“ nicht funktioniert

 

Im Umgang mit unseren Kindern (und auch mit allen anderen Menschen) sind Warum-Fragen nur sehr begrenzt und dosiert einsetzbar. Wir erinnern uns an den Anfang des Textes, als ich schrieb, dass wir uns oft sogar extra Zeit nehmen, um ein unpassendes Verhalten mit unserem Kind zu klären. Das ist auch weiterhin absolut richtig. Aber dann machen wir meist einen fatalen Fehler und fragen „Warum hast du das getan?“.

Dieses Warum ist sehr tückisch, denn es liegt uns als erstes auf der Zunge. Wir haben es so gelernt, in der Gesellschaft wird die Frage so gehandhabt und wir haben noch nie hinterfragt, warum das warum eine falsche Frage sein könnte. Dieses Vorgehen hat evolutionäre Gründe: Es gilt als vermeintlich besser, eine falsche Ursachenvermutung zu haben als keine Erklärung. Außerdem sind wir sehr stark auf der Ebene des Verstandes unterwegs. Grundsätzlich ist unsere Gesellschaft darauf ausgerichtet. Aber Kinder denken noch nicht nach. Sie handeln einfach. Aus einem Gefühl heraus. Bildlich gesprochen redet an dieser Stelle der Verstand (nämlich du) mit dem Gefühl (deinem Kind). Und beide benutzen ein völlig unterschiedliches Vokabular. Sie können sich nicht verstehen.

 

Überlege mal: Zu welchen Ergebnissen hat deine letzte Warum-Frage geführt? Hast du die Ursachen heraus bekommen? Wie hat sich dein Kind gefühlt? Und wie ging es dir dabei?

 

In ungewohnten oder stressbelasteten sozialen Situationen lösen Warum- Fragen nämlich eine innere wie äußere Abwehrreaktion, aus. Sie münden entgegen ihrer Intention nicht selten in einer Kommunikationsblockade. Jemand, der unter emotionalem Druck steht, wittert in diesen fünf Buchstaben einen versteckten Angriff und reagiert wahrscheinlich mit Rechtfertigungen oder einem Gegenangriff. Oder gar nicht.
„Warum“ fragt nach einer kausalen Erklärung für ein Phänomen, einer Aus-Wirkung. Und eine kausale Erklärung schließt von einer Ursache auf eine Wirkung. Sie setzt die Wirkung als Tatsache voraus und sucht nach einem ursächlichen, direkten Zusammenhang zur Wirkung. Ein „Warum?“ fordert ein „Weil!“ und das, weil wir Menschen die Neigung haben, hinter allem eine Ursache zu vermuten. Wir meinen, (immer weiter) Warum-Fragen stellen zu können und dadurch zu immer tieferen Erkenntnissen zu kommen.

 

Das stimmt aber nicht. Also, was kannst du statt dessen tun?

 

Wie besser fragen?

 

Eine Möglichkeit ist, dass wir Eltern mit lösungsorientierten Fragen ans Werk gehen und die Schleife nach der unsinnigen Suche nach dem einen Grund, dem einen Schuldigen, … durch eine sinnvolle Suche nach relevanten Informationen für die gegebene Aufgabenstellung ersetzen.

Dafür gibt es verschiedene Fragetechniken:

  • geschlossene und offene Fragen
  • Reporter- und Denkfragen
  • Bedeutungsfragen: Fokussierung auf Außen und Innen
  • zielorientierte Fragen
  • hypothetische Fragen
  • Fragen nach Unterschieden/ Skalenfragen
  • Gegenfragen
  • Fragen nach Ressourcen
  • aktivierende Fragen
  • paradoxe Fragen
  • verrückte Fragen

 

An dieser Stelle auf alle Fragetechniken einzugehen, würde den Rahmen des Artikels sprengen. Da sie aber wichtig sind und es dir ermöglichen, andere Ergegbnisse zu erzielen, habe ich dir eine ausführliche Beschreibung der Fragetechniken und deren Anwendung zusammen gestellt. Du kannst sie am Ende des Artikels downloaden.

 

Die Wirkung

 

Wenn du mit einer vertiefenden Frage aus meinem Fragenkatalog der Sache auf den Grund gegangen bist, hast du dein Ziel erreicht: Die hast eine Lösung gefunden. Durch die Nutzung verschiedener Fragetechniken kannst du unterschiedliche Ziele erreichen. Du bist mit deinem Kind in einen Dialog getreten und hast Türen geöffnet. Zahlreiche Fragen aktivieren das Unterbewusstsein und damit die Gefühlsebene. Und ihr habt die Chance, über die Ursachenforschung hinaus zu gehen und Lösungen zu finden.

 

Beobachte doch mal in der nächsten Zeit, ob das Finden der Lösung mit dem Finden von Ursachen zusammen hängt. Wer weiß, vielleicht wirst du eines Tages feststellen, dass du die Frage nach dem WARUM? gar nicht mehr benötigst.

Lade hier die Fragetechniken herunter:

 

Wie sieht dein Familienalltag aus? Eher ruhig oder
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein neues kündigt sich an. Überall leuchten Kerzen
Wenn unser Kind ein Problem hat, reagieren wir Eltern meist damit, dass wir es gleich