07021 866 8293 hallo@schatzentdecker.de

Gefühle zeigen – gar nicht so einfach! Jeden Tag passieren viele Dinge um uns herum. Viele nehmen wir gar nicht mehr wahr, weil wir mit einem gigantischen Filter herum laufen. Dieser Filter erleichtert uns die Konzentration auf die Wichtigsten Dinge und damit das Leben. Würde alles aus unserer Umgebung ungefiltert in uns hereinströmen, wären wir schnell am Limit unserer Aufnahmefähigkeit.

 

Gleichzeitig meinen wir aber auch, dass die Dinge, die wir um uns herum nicht wahrnehmen, für uns auch nicht existieren. Aber das stimmt nicht. Sie sind da und sie wirken auf uns. Nur merken wir es nicht (dazu schreibe ich gerne ein anderes Mal).

 

Gefühle und Emotionen – ein Unterschied

 

Jede Sache wird in uns automatisch mit einem Gefühl verbunden: Wut, Trauer, Angst oder Freude. Dies passiert völlig unbewusst, da wir nicht gelernt haben, Gefühle bewusst wahrzunehmen. Im Gegenteil: Sie werden sogar aktiv unterdrückt, weil wir davon ausgehen, dass Wut, Trauer und Angst schlecht sind und nur die Freude das einzig wahre Gefühl sei. Leider wissen wir nicht, wie wir aus unseren Gefühlen nutzen ziehen können. Die folgende Übersicht gibt dir eine Idee davon, wie Gefühle in unserer Gesellschaft bewertet werden:

 

  • Wenn wir uns wütend fühlen, ist es schlecht. Denn Wut ist laut, gefährlich, außer Kontrolle, jemand könnte verletzt werden, es ist ungehobelt, asozial, beunruhigend, unzivilisiert, peinlich, unhöflich, kontraproduktiv und vieles mehr.

 

  • Wenn wir traurig sind, ist es ebenfalls schlecht. Denn Trauer ist mitleiderregend, nur was für Mädchen, Zeitverschwendung, unproduktiv, es ruiniert die Party, unangenehm, zieht andere runter, ist ansteckend, ein Versager, ein Trottel, depressiv und launisch. Auch diese Liste lässt sich leicht erweitern.

 

  • Wenn wir uns ängstlich fühlen, ist es schlecht. Denn Angst ist irrational, schwach, kindisch, nervenaufreibend, lähmend, “ein Indianer kennt keinen Schmerz”, wir sind Angsthasen, eine Memme, ein Versager, Vollpfosten, Niete, Zauderer, Schisser und Weichei. Klingt gut, oder?

 

  • Auch wenn wir uns froh fühlen, ist es im Grunde schlecht. Dann wird unterstellt, wir würden die Dinge nicht ernst genug nehmen, andere könnten neidisch werden. Freude ist unprofessionell, dumm, naiv, zu laut, respektlos, störend, unzuverlässig (weil nicht von Dauer), gefährlich (man könnte ja im Übermut Regeln brechen) und unrealistisch (Hast du denn die Nachrichten nicht gesehen? Das Leben ist schwer.) Und wer sich freut, hat offensichtlich nicht genug zu tun.

 

 

Übrigens haben wir tolle Möglichkeiten entwickelt, vermeintlich schlechte Gefühle loszuwerden und all diese Nebenwirkungen, die ich eben beschrieben habe, loszuwerden: Fernsehen, Konsum, Alkohol, Internet oder auch Medikamente. Wir lenken uns ständig vom richtigen Leben und unseren eigentlichen Gefühlen ab.

 

Gefühle sind also da und wirken in unserem Inneren. Nehmen wir sie nicht wahr oder unterdrücken sie, werden sie mit der Zeit zu Emotionen. Emotionen sind nicht kommunizierte Gefühle. Jahrelang stecken sie in uns fest und ermöglichen uns ein möglichst “cleanes” Leben an der Oberfläche. Innerlich wirken sie und können uns sogar krank machen.

 

Jetzt weißt du, warum

 

So, jetzt weißt du, warum du mit deinem Kind über Gefühle sprechen solltest. Sie müssen raus und verarbeitet werden. Und zwar: Nicht nur die deines Kindes, sondern auch deine! Sprich mit deinem Kind auch über deine Gefühle. So hat es die Chance, dich anders und vollständiger wahrzunehmen. Du bist sein Vorbild. Sobald du anfängst, von deinen Gefühlen zu sprechen, wird dein Kind auch damit beginnen. Nur dass es ihm wahrscheinlich sehr viel leichter fallen wird, als dir.

 

Was passiert, wenn ihr damit beginnt?

 

Denk doch einmal darüber nach. Deutlich zu spüren, welches Gefühl du gerade erlebst und warum du es fühlst könnte sehr klug sein. In der Lage zu sein, eine bewusste Wahl zu treffen, wie du die Energie und die Information von Gefühlen nutzen kannst, statt von ihnen überwältigt zu werden. Plus deine Energie nicht mehr für die Unterdrückung deiner Gefühle zu nutzen, sondern die Botschaft darin zu verstehen. In unserem Leben sind Gefühle nämlich dazu da, um Dinge zu erledigen. Emotionen sind dazu da, um Dinge zu heilen. Klingt gut, oder?

 

Ein Ausflug in eure Zukunft

 

Wenn du beginnst, deine Gefühle wahrzunehmen (und dein Kind wird es auch tun), dann sind diese Gefühle gar nicht mehr schlecht, sondern du wirst mit der Zeit bemerken, was du gerade fühlst und was du damit tun kannst.

 

  • Mit bewusster WUT kannst du Grenzen setzen, um das bitten, was du willst, Nein sagen, Ja sagen (bewusst), Dinge beginnen, Dinge beenden, Dinge ändern, Unterscheidungen treffen, dich verpflichten, Maßnahmen ergreifen, Dinge schützen, leidenschaftlich sein, ausmisten und noch einmal von vorn beginnen.

 

  • Mit bewusster TRAURIGKEIT kannst du mit anderen Verbindung aufnehmen, zuhören, einfühlsam sein, authentisch sein, Mitgefühl zeigen, dich verändern, dich entwickeln, Dinge loslassen, akzeptieren, wachsen, dem alten Ich erlauben zu verblassen und dem neuen Ich erlauben sich zu öffnen und zu leuchten.

 

  • Mit bewusster ANGST kannst du Gefahren erspüren, Warnungen aussprechen, Fehler bemerken, mögliche Probleme erkennen, Pläne auswerten, klare Vereinbarungen treffen, präzise sein, feinfühlig agieren, dich auf Unbekanntes einlassen, neue Möglichkeiten schaffen und neue Dinge ausprobieren.

 

  • Mit bewusster FREUDE kannst du dich entspannen, dich ausdehnen, entdecken, deine Vision mitteilen, andere miteinbeziehen, Begeisterung und Teamgeist erzeugen, offen kommunizieren, Menschen herein lassen, deine Schätze teilen, anderen zeigen, wie man etwas machen kann, wertschätzen, dankbar sein, Unterschiede akzeptieren, großzügig sein, aus voller Kraft leben, mutig sein und Wunder begrüßen.

 

Was du konkret tun kannst

 

Prima, wenn du den Artikel bis hierher gelesen hast und noch dabei bist. Dann fragst du dich jetzt sicher: Wie kann ich anfangen?

Dafür habe ich zwei Ideen für dich:

Zum einen empfehle ich dir das Buch “Gute Nacht, Gefühle” von Clinton Callahan. Es schenkt euch ein Gute-Nacht-Ritual, während dessen du mit deinem Kind anhand von Bildern über Gefühle sprechen könnt. Es erleichtert den Einstieg, denn auch ich habe festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, über Gefühle zu sprechen.

 

 

Wenn du das Buch kaufen magst, dann nutze doch bitte den Link und klicke auf das Buch. Damit kannst du meinen Blog finanziell unterstützen, ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen.

 

Zweitens habe ich für dich eine kleine Reminderkarte erstellt. Sie zeigt dir, wie eine vollständige Kommunikation über Gefühle funktioniert. Du kannst sie ausdrucken und dir an einen Ort hängen, an dem sie dich an dein neue Vorhaben – über Gefühle zu sprechen- erinnert.

 

Und zum Schluss bleibt mir nur noch, dir viele gute Gefühle beim Entdecken deiner und der Gefühle deines Kindes zu wünschen. Es wird eine spannende Reise, die euch viel näher zusammen bringt, als es bisher schon der Fall ist.

 

Schimpfen war für mich eine