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Wenn unser Kind ein Problem hat, reagieren wir Eltern meist damit, dass wir es gleich lösen wollen. Entweder direkt, indem wir unserem Kind wenn es sagt “Mama, ich kann das nicht”, die Dinge aus der Hand nehmen und sie gleich selbst erledigen. Oder indem wir das Problem einfach verneinen: “Das stimmt doch nicht” oder mit “Natürlich kannst du das”.

 

Und damit haben wir sofort das Problem unseres Kindes übernommen oder es einfach weggefegt. Und natürlich haben wir es gut gemeint – keine Frage. Aber Hand aufs Herz: Wir tun es auch, weil wir meinen, es besser zu wissen oder zu können. Hinzu kommt, dass dies von fast allen Eltern automatisch so gemacht wird. Wir haben es auch nur gelernt und woanders abgeguckt. Deshalb kommt uns daran im ersten Moment auch nichts merkwürdig vor.

 

Was passiert da?

Tatsächlich aber passiert Folgendes: Indem wir das Problem unseres Kindes (oft unbewusst) übernehmen (egal ob wir es lösen, ignorieren oder verneinen), verletzen wir die Integrität unseres Kindes. Und wir zeigen ihm weder Empathie noch Akzeptanz. Wir setzen uns über unser Kind hinweg.

Viele Menschen differenzieren nicht, wem das Problem eigentlich gehört und wer für die Lösung verantwortlich ist. Dadurch entsteht Unklarheit. Oft ziehen wir die Probleme unserer Kinder an uns heran und meinen sie lösen zu müssen. Aber ist das wirklich gut? Nehmen wir unserem Kind nicht dadurch die Chance, in die eigene Verantwortung hineinzuwachsen?

 

Was du tun kannst

Das Wichtigste zuerst: Schau bitte genau hin, zu wem das Problem eigentlich gehört. Gehört es zu dir, dann bist du für die Lösung verantwortlich. Gehört es zu deinem Kind reicht es oft schon, wenn wir unserem Kind zu verstehen geben, dass wir es gehört haben. Wenn wir dann seine Gefühle bestärken und unser Vertrauen aussprechen, dass es sein Problem selbst lösen kann, haben wir unserem Kind viel mit auf den Weg gegeben.

Wir können auch gerne Unterstützung für eine Lösung anbieten. Aber helfen können wir nur, wenn dies gewollt ist und das Kind die Lösung mit unserer Begleitung selbst findet. Wichtig dabei ist, dass wir immer ehrlich sind. Kinder sind klug und wissen intuitiv, wann wir die Wahrheit sagen und wann wir ihnen nur Honig um den Bart streichen wollen.

 

Eine kleine Übung dazu:

Nimm dir ein kleineres Problem aus deinem Familienalltag vor. Denke dich nochmals in die Situation hinein und stelle dir dann folgende Fragen:

  1. Werde ich durch das Problem beeinträchtigt?
  2. Wenn ja, wie?
  3. Wenn nein, wem gehört das Problem dann eigentlich?
  4. Was will ich tun?

 

Gehe die Fragen ruhig für mehrere Probleme durch, um ein Gefühl für dich und deine Handlungsmuster zu bekommen. So erhälst du ein klares Bild. Ist eine Situation kompliziert, dann versuche sie in Einzelschritte aufzudröseln. Dadurch gewinnst du an Überblick und erreichst mehr Handlungsfreiheit.

Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Denn ich habe auch gerne die Probleme meiner Kinder übernommen, ohne es zu merken. Aber immer öfter schaffe ich es, Probleme meiner Kinder bewusst auch bei ihnen zu lassen, damit sie es selbst lösen können. Und siehe da: Es ist viel einfacher!

 

Ein Beispiel

Eine ganze Weile hatten wir morgens echt Stress zu Hause. Mein Großer geht ja bereits zur Schule und muss deshalb pünktlich aus dem Haus. Aber er trödelt und vergisst die Zeit. Wäre der Kopf nicht festgewachsen… .Der Morgen startete mit dem Aufwecken. Das ging ja noch. Aber dann begannen die ständigen Ermahnungen, er müsse aufstehen, er müsse schneller frühstücken, er müsse Zähne putzen bis hin zum Jacke anziehen. Ätzend, kann ich euch sagen. Für Alle. Der Start in den Tag lief einfach nicht gut.

 

Bis mir klar wurde, dass ich mir ein “Problem” meines Sohnes angeeignet hatte. Ich fragte mich: “Wem gehört das Problem eigentlich? Muss ich jeden Tag pünktlich aus dem Haus? Bin ich dafür verantwortlich, wann er was morgens erledigt und wann er auch dem Bett kommt? Bin ich diejenige, die zu spät kommt?” NEIN. Und noch viel mehr traf mich die Erkenntnis, dass ich meinem Sohn die Chance genommen habe, sich selbst zu organisieren und selbst Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Ich habe immer dafür gesorgt, dass er nicht zu spät kommt und ihn damit in Watte gepackt. Und zu welchem Preis? Einem versauten Morgen für die ganze Familie.

 

So kann es auch gehen

Jetzt mache ich es anders. Ich setze nur noch den Rahmen. Das heißt, ich wecke meinen Sohn rechtzeitig auf und sorge dafür, dass das Frühstück fertig ist. Und er hat die klare Ansage, dass ich ihn nicht mehr antreibe, sondern er selbst auf seine Zeit achten muss. Mehr nicht.

Und was ist passiert? Eigentlich dachte ich, dass er nun öfter mal zu spät losgeht. Das wäre auch okay, denn so spürt er, was es bedeutet, wenn man morgens trödelt. Aber nichts dergleichen ist passiert. Ich habe losgelassen und mein Sohn kommt damit wunderbar klar. Und wir haben wieder einen entspannten Start in den Tag!

 

Und bei dir? Hast du ähnliche Erlebnisse? Dann teile sie doch mit uns in den Kommentaren und sei ein Ideengeber für andere Eltern!

 

Schimpfen war für mich eine