Dein Kind loben – machst du das gerne und oft? Ich jedenfalls ja – bis ich tiefer in das Thema einstieg und erkannte, was es wirklich bedeutet, sein Kind zu loben. Und dass ich damit etwas in Gang setze, was ich definitiv nicht wollte.

Es fing an, dass ich irgendwo aufschnappte, es sei nicht gut, sein Kind ständig zu loben. Okay, das kam irgendwie an, aber verstanden hatte ich es nicht. Was sollte daran schlecht sein? Dann stolperte ich bei einem Vortrag von Dagmar Neubronner wieder über das Thema „mein Kind loben“. Diesmal stand das Lob im Zusammenhang mit der Egoentwicklung und der Bindungsfähigkeit des Kindes. Damit konnte ich schon viel mehr anfangen. Die Essenz daraus hat mich allerdings sehr schreckt:

 

Wenn wir unser Kind loben, belohnen wir es für eine bestimmte Leistung. Nicht für sein Da-Sein.

 

Das saß. Ich selbst höre doch auch gerne mal ein Lob und freue mich darüber. Und wenn ich die die strahlenden Augen meines Kindes schaue, wenn ich es gelobt habe, dann frage ich mich, was daran so falsch sein kann. Sollte mein wohlgemeintes und durchaus von Herzen kommendes Lob meinem Kind die falsche Botschaft vermitteln?  Eigentlich möchte ich ihm doch mitteilen, dass ich es so liebe, wie es ist. Und mal weiter gedacht: Was passiert mit seinem Verhalten? Passt mein Kind es nicht meinen Vorstellungen an, damit es Lob erhält? Verliert es dadurch nicht die Verbindung zu sich selbst und macht sich von meiner Meinung zu seinem Verhalten abhängig? Macht es sein Leben nicht unnötig anstrengend? Lebt es dadurch vielleicht sogar ein Leben nach meinen Vorstellungen?

Wichtig ist an dieser Stelle eine Unterscheidung: Lob für Leistung ist immer mit „gutem“ Verhalten verknüpft. Das Da-Sein, welches für uns Menschen der viel wichtigere Teil ist, wird überhaupt nicht beachtet. Hier wirkt eine jahrtausende alte Matrix unserer Gesellschaft:

 

Um erwünscht zu sein, muss ich mich gut verhalten.

 

Diese Matrix ist so verwurzelt, dass wir sie noch nicht einmal bemerken. Wir halten sie für normal. Diese Erkenntnis schmerzt mich. Dich auch?

Um das Sein unseres Kindes kümmern wir uns an dieser Stelle überhaupt nicht. Mit fatalen Folgen: Das Sein wird vom Kind an Lob und Verhalten geknüpft und verschmilzt an der Stelle. Es kennt den Unterschied zwischen Verhalten und Sein nicht mehr.

Mit dieser Erkenntnis fühlte ich mich zeitweilig überfordert. Ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Ich hatte verstanden, dass Lob letztendlich eine Manipulation beinhaltet: Mach mehr von dem, was ich gut finde. Ein bestimmtes Verhalten meines Kindes wird verstärkt. Mehr noch: Der (unbewusste) Hintergedanke dabei ist doch, zukünftiges Verhalten in eine mir passende Richtung zu lenken. Okay, aber was mache ich mit dieser Erkenntnis? Wenn das Loben nicht mehr funktioniert, was kann ich stat dessen tun? Mir fehlten neue Handlungsmöglichkeiten.

Dann stieß ich zum Glück auf einen Spark von Clinton Callahan, der mir eine wichtige Unterscheidung lieferte:

 

Es gibt einen Unterschied zwischen Lob und positivem Feedback.

 

Und hier wird es interessant. Lob hat tatsächlich etwas manipulatives. So wie ich es oben ausgeführt habe. Aber was ist mit positivem Feedback? Konnte dies eine neue Möglichkeit sein? Wenn wir genauer hinschauen, können wir entdecken, dass etwas geschieht, bevor wir unser Kind loben: Unser Kind hat etwas getan und es hat funktioniert. Mehr nicht. Positives Feedback zielt genau darauf ab. Es sagt lediglich: „Da hat etwas funktioniert. So kannst du weitermachen.“  Es enthält keine Bewertung. Und ist deshalb neutral und unpersönlich.

Lob und positives Feedback können allerdings leicht verwechselt werden. Deshalb hier noch einmal mit aller Klarheit die Unterscheidung: Feedback ist eine neutrale Information. Lob ist Manipulation und eine Bewertung in „gutes Verhalten“. Umgekehrt gibt es übrigens auch Tadel, den wir unbewusst als „schlechtes Verhalten“ bewerten (siehe auch den Blogartikel zum Scheitern).

 

Feedback ist deshalb so wertvoll, weil es deinem Kind eine Wahl lässt, was es in bezug auf dein Feedback tun möchte. Du lässt es in seiner Verantwortung und übernimmst an dieser Stelle nicht die Macht, um dein Kind in eine bestimmte Richtung zu lenken.

 

Dieser Artikel soll dir dazu dienen, hinter die Kulissen des alltäglichen Wahnsinns im Umgang miteinander zu schauen und dir bestimmte Dinge bewusst zu machen. Denn nun hast du die Möglichkeit, etwas anderes zu tun. Versuche es doch einmal damit:

Hör auf zu loben!

 

Übe dich statt dessen darin, sauber zu kommunizieren. Wenn du möchtest, dass dein Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten im Haushalt mithilft, dann lobe (oder tadle) es nicht für ein bestimmtes Verhalten. Sage lieber klar, deutlich und ehrlich: „Ich möchte, dass du das tust.“ Ein weiteres Beispiel: Dein Kind kommt mit einer guten Note aus der Schule nach Hause. Wenn es dir stolz davon berichtet, könntest du einfach sagen: „Vielen Dank, dass du mir das sagst.“ oder „Ich freue mich zu sehen, wie du dich über deine Note freust“. Das ist anders und vielleicht auch zunächst ungewohnt. Für dich und auch für dein Kind. Aber du kommst aus der Kraft der Manipulation heraus und lässt dein Kind in seiner eigenen Verantwortung. Und sage deinem Kind doch immer mal wieder: „Schön, dass es dich gibt“. Einfach weil es da ist.

probiere es einfach für eine Weile aus. Das Verhältnis zu deinem Kind wird sich deutlich verändern. Schreibe mir doch, welche Entdeckungen du  erleben konntest.

Deine Simone

Quelle des Sparks: 

Wenn unser Kind ein Problem hat, reagieren wir Eltern meist damit, dass wir es gleich
Gefühle zeigen - gar nicht so einfach! Jeden Tag passieren viele Dinge um uns herum.
Heute habe ich ein Thema für dich, das mich schon sehr lange beschäftigt und das
Schimpfen war für mich eine

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